Ein Interview zur Beschneidung  

 

Foto 45: Alte
Rufo

 

 

 

Foto 46: eine haraté
Rufo

 

 

 

Foto 47: Lago zwei
Rufo

 

 

Foto 48: akka, eine Großmutter
Rufo

 

 

 

Foto 49: Lago im Feld
Rufo

 

 

 

Foto 50: meine Bamira
Rufo

 

 

 

Foto 52: Sirba
Rufo

 

 

Foto 51: ummo - Kinder
Rufo

 

 

Foto 54: Vögel verscheuchen
Rufo

 

 

Foto 53: süßer Snack
Rufo

 

 

A.P.: "Wieviel Rinder muss der Verlobte bezahlen?"

ingó: "Zehn Ziegen und Schafe gibt er an den Vater der Braut. Dazu kommen noch vier Rinder. Vier weitere Rinder werden in der Familie der utanté verteilt. Während der sud - Zeremonie werden alle acht Rinder geschlachtet. Der Vater erhält vier Sack Kaffee. Der Clanälteste bekommt 20 Kalebassen Honig, aus dem später daadi [eine Art Met] gebraut wird. Der Verlobte muss seiner Braut goldene [Messing] Armreifen für die Oberarme kaufen."

A.P.: "Wann ist kandiy [das Schneiden]?"

ingó: "Am Nachmittag, denn nachts wird geschlachtet. Schau, dort meine Freundin Go'o hat die utanté Gallé geschnitten."

A.P.: "Wieso Go'o? Ist sie eine Beschneiderin? War ihre Mutter Beschneiderin?"

ingó: "Go'o ist Beschneiderin. Ihre Mutter hat nicht geschnitten. Wir Frauen der Arbore lernen das Schneiden durch Zusehen und diejenigen, welche keine Angst haben, werden Beschneiderin. Sie sagen es einfach. Das Dorf Gondarab hat vier Beschneiderinnen.

A.P.: "Erzähle von dem Brauch der utanté! Was passiert da?"

ingó: "Kandiy ist hier im Haus der Braut, hier in der bara. Es ist alles voll, voll mit Menschen. Mit Frauen. Die Mutter geht weg, weit weit weg. Sie beeilt sich, sie hat Angst. Die Nachbarinnen halten die Braut fest. Die Braut trinkt daadi, die Festhalterinnen trinken. Dann trinkt auch die Beschneiderin. Die Braut ist vom daadi betrunken. Harraké [hochprozentiger Schnaps] aber ist schlecht. Ihr wird ein Tuch über den Kopf gestülpt, über den Mund, damit das Weinen nicht zu hören ist. Die Hütte ist voller Mädchen und Frauen. Sie singen laut und trinken daadi."

A.P.: "Sitzt die Braut auf der Erde?"

ingó: "Nein, sie sitzt auf diesem kleine Stuhl, die Beine nach vorne.

A.P.: "So? (Ich setze mich auf den Hocker und grätsche die ausgestreckten Beine)

ingó: "So, ja genau so. (Lachen) Zu einer Nachbarin: "Schau mal, ege Till weiss, wie sie sich setzen muss!" "Die Arme werden hinten festgehalten."

Ingó und die Nachbarin demonstrieren es an mir. Mittlerweile haben sich Kinder und andere Nachbarinnen in der Hütte eingefunden, Es ist, als ob wir ein Bühnenstück aufführen.

A.P.: "Was macht ihr mit dem abgeschnittenen Fleisch, mit hooli [Klitoris, das Nackte]?"

ingó: "Neben der Feuerstelle in der bara ist ein Loch. Das ist das Grab von hooli. Die Braut sitzt mit ausgestreckten Beinen vor dem Loch und hooli und Blut fallen in das Grab."

A.P.: "Haben die Mädchen Angst?"

ingó: "Ja, sie rennen weg. Aber sie kommen wieder. Jede will doch heiraten. Alleine da draußen würde sie sterben oder fuuga [eine Schlampe m.E.] werden."

A.P.: "Was passiert nach dem Schneiden?"

ingó: "Der Schnitt wird geprüft. Danach gehen alle uta in das Haus des Clanältesten. Nur die neue eine Braut wird in die Hütte ihrer Schwiegereltern getragen. Einen Monat lang geht sie nicht aus dem Haus. Die Beine werden ihr zusammengebunden, damit die Wunde gut heilt. Ihre Exkremente werden in der Hütte vergraben. Danach ist Schlachten und Tanz. Alle uta sind betrunken. Sie schlagen die Rinder des jungen Ehemannes [...]

(Gondarab, Tagebuch der Feldforschung 11. April 1999
Auszug aus Chif
frierte Körper - Disziplinierte Körper